Windhoff 4: Ein besonderes Motorrad

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Teurer Luxusliner

Das geniale System des Motors hatte jedoch seinen Preis. Alle 100 Kilometer musste ein halber Liter Schmierstoff nachgefüllt werden und nach spätestens 2000 Kilometern wurde ein kompletter Ölwechsel fällig.  

Die Windhoff „4“ wog leer 175 kg, da reichten die 22 PS allemal um die Maschine auf ungefähr 100 Sachen zu beschleunigen. In den Prospekten wurde zwar von einer Spitzengeschwindigkeit von 120 gesprochen, doch das werden wohl die wenigsten Windhoff Besitzer ausprobiert haben. Schuld daran waren, neben den schlechten Straßenverhältnissen, vor allem die Bremsen des Vierzylinders. Hinten verzögerte eine, direkt auf die Kardanwelle wirkende, Außenbandbremse nur widerwillig den Vortrieb. Die Rotationsgeschwindigkeit des per Steckachse an der blattgefederten Vorderradgabel befestigten Rades wurde durch eine Simplex – Trommelbremse reduziert.

Ein richtiger Verkaufsrenner wurde die 750er, trotz ihrer fortschrittlichen Technik, allerdings nie. Von 1927 bis 1931 verließen nur ca. 1450 Exemplare des Luxusliners auf zwei Rädern die Hallen der Firma Windhoff Motorenbau, denn das Motorrad war extrem teuer.. 

In der Grundausstattung kostete der Vierzylinder 1750 ,– Reichsmark. Mit einer Boschlichtanlage, Tachometer, Hupe und Ballonreifen versehen stieg der Preis auf 2050 ,– RM. Zum Vergleich: Für nur 250 Mark mehr gab es ab 1928 den DKW P 15 PS in Roadsterausführung, für 1975 Mark war ein Hanomag Kommissbrot zu haben und ein BMW 3/15 PS stand ab 1929 für 2200 Mark in den Schaufenstern der Automobilhändler.

Ob Hans Windhoff mit riesigen Verkaufszahlen gerechnet hat sei dahin gestellt. Eher wahrscheinlich ist wohl, dass die „4“ als Werbeträger für die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der gewinnträchtigen Hauptsparte des Unternehmens konzipiert war. Denn wenn es um effektive Motorenkühlung ging, konnte dem Berliner Unternehmen so leicht keiner etwas vormachen … !