Windhoff 4: Ein besonderes Motorrad

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Wir befinden uns im Berlin der zwanziger Jahre. In der Kulturmetropole und Hauptstadt der jungen Republik tanzt das Wahrzeichen der Stadt, nämlich der Bär. Im Reichstag reden sich die Abgeordneten die Köpfe heiß. In den Szenekneipen und Cafés geben sich Literaten und bildende Künstler die Klinke in die Hand.
Abends treffen sich Politiker, ausländische Diplomaten, Industrielle und Intellektuelle in den zahllosen Clubs und Cabarets. Dort fegen Entertainer wie der farbige Superstar Josephine Baker die letzten Krümel einer verstaubten Weltordnung aus den Hirnen der Zuschauer ihrer Show. Natürlich war das nur eine Seite der Medaille, denn das Berlin Brechts, Tucholskys und Kästners lag nur einige Minuten von den Domänen der Schickeria entfernt.

Dass diese Zeit der Lebenslust, Toleranz und Kreativität nur kurz währte und dann brutal im braunen Morast erstickt wurde, wissen wir heute.

Doch nicht nur bildende Künstler und Literaten waren von dieser Aufbruchsstimmung beeinflusst. Auch die Industrie war häufig dazu bereit, ausgetretene Pfade zu verlassen und unkonventionelle Problemlösungen zu forcieren.

Einer dieser Unternehmer war Hans Windhoff. Auf Kühlerbau spezialisiert, war seine Berliner Firma mit eines der gefragtesten Zulieferunternehmen der Automobilindustrie. Ab 1923 produzierte Windhoff konventionelle kleine Ladepumpenzweitakter mit Bekamo – Einbaumotoren. 1927 jedoch stellte er ein Motorrad vor, das völlig von den üblichen Konstruktionen abwich.