Schacht Highwheeler

Highwheeler waren motorisierte Kutschen

Komfortabler Technologieträger

Dem Prinzip der Einfachheit, das sich alle auf ihre Fahnen geschrieben hatten, frönten manche vielleicht doch etwas heftig.

Highwheeler Werbung 1909

So wurde 1909 für den Schacht Highwheeler geworben

 So gab es Exemplare bei denen Stricke den Antrieb  der Hinterräder übernahmen. Das war nicht die Regel, aber Skurrilitäten dieser Art kamen durchaus vor. Der Schacht von 1909 hingegen wies für damalige Verhältnisse wegweisende Elemente auf.
Sich fast direkt gegenüberliegende Sackzylinder, die die typische Unwucht des Boxers vermeiden, findet der neugierige Betrachter hinter dem Roi de Belge Sitz. Wie so etwas möglich ist, erfuhr auch der Besitzer dieses seltenen Fahrzeugs erst bei einer Überholung des Motors. Des Rätsels Lösung ist eine S-förmig verlaufende Hubscheibe, die sich die beiden Hubzapfen des Zweizylinders jeweils auf ihrer Seite teilen. So kommen sich die Pleuelstangen so dicht wie nur irgend möglich. Das gewährleistete ohne zusätzliche Maßnahmen einen vibrationsarmen Lauf des seitengesteuerten 2,4 Liter – Davismotors, der daher einfach im Holz festgeschraubt war.
Da Schacht großen Wert auf eine einfache Handhabung legte, waren die Pleuellager mit einem Gelenk versehen und nur oben verschraubt. Übrigens muss jedes Element am Schacht präzise gearbeitet worden sein, da die Firma mit der Austauschbarkeit aller Teile warb. Sie hatte sich, wie auch Cadillac, die Standarisierung zum Prinzip gemacht. Die Ventile des 18-20 H.P. Motors steuerte eine direkt angetriebene Nockenwelle.

680 Dollar Schacht Highwheeler Model K

680 Dollar für einen Highwheeler

Seine Höchstgeschwindigkeit lag bei ungefähr 60 km/h. Für das passende Gemisch sorgte ein Spritzdüsenvergaser mit Ansaugfilter. Einstellen konnte der Fahrer den Schebler – Vergaser über einen Hebel am Lenkrad. Von der Kurbelwelle wurden per Keilriemen die sechs einzeln einstell- und kontrollierbaren Ölpumpen angetrieben. Kupferleitungen versorgten alle wichtigen Motorteile mit dem existenzielle Nass. Die Kühlung sicherte eine direkt mit der Motorwelle verbundene Zahnradpumpe, die das Wasser vom Lamellenkühler zu den Zylindern und zurück beförderte. Ein Fassungsvermögen von 13,2 Litern machte einen zusätzlichen Wassertank unnötig.  Dieser Kühler schützte den Fahrer auch vor Schlammspritzern. Nebenbei bemerkt fügte er sich mit seiner eleganten Form auch sehr harmonisch ins Erscheinungsbild des Schacht ein.
Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Schacht als einer der schönsten seiner Art. Seine „Corning style“ – Karosserie war eine sehr leichte und elegante Buggy-Form mit hochgeschwungenen hölzernen Kotflügeln. Dazu passte bis zum i-Tüppfelchen genau die „Roi de Belge“ – Sitzbank.
Auch die Farbe des Schachts passte zum königlichen Sitzambiente. Rot, schwarz und Messing ergänzten sich perfekt. Dass die Lackierung kräftig glänzte, dafür sorgten 15 Farbschichten auf der Eschenholz-Karosserie, die wie früher üblich vor jedem neuen Aufstrich sorgfältig abgeschliffen und poliert wurden.