Rapier – Lagonda en miniature

Rapier9

Die Ära Bentley forder Opfer bei Lagonda

1935 kam es nun bei Lagonda wegen einer ausgesprochen schlechten Geschäftslage zur Reorganisation der Firma. Der neue Besitzer Alan Good stellte W. O. Bentley als technischen Direktor ein und damit begann eine neue Ära bei Lagonda. Es bedeutete aber auch, daß so einige Programme von der Bildfläche verschwanden. Davon war ebenfalls die Produktion des kleinen Rapier betroffen.

Rapier als eigenständige Marke

Rapier als eigenständige Marke

Ob nun wirklich, wie häufig behauptet, dieser kleine Sportwagen Schuld an der Misere bei Lagonda war, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat seine Entwicklung eine Menge Geld gekostet, das leider nicht in gewünschtem Maße durch eine hohe Verkaufsrate zurückfloß. Natürlich darf man auch die allgemein schlechte Wirtschaftslage in den 30er Jahren nicht vergessen, die vielen Automobilproduzenten das Leben schwer machte. Eine kleine Fehleinschätzung konnte sich da schon gravierend auswirken.

Freude bereitete er wohl den meisten Besitzern, denn so ein zuverläßiger und leistungsfähiger kleiner Sportwagen, ohne Macken und Wehwehchen, hatte damals schon Seltenheitswert. Professionelles Lob nahm unser Rapier so auch massenhaft entgegen. Testfahrer der Zeitschriften „Autocar“, „Motor“,

Der Rapier wurde auf Wunsch als Limousine ausgeliefert

Der Rapier wurde auf Wunsch als Limousine ausgeliefert

 „Observer“, „Independent“  hatten damals nur Gutes zu berichten. Am meisten sagte ihnen das vorhersagbare Fahrverhalten, das Gefühl absoluter Kontrolle zu. Über die Bremsen des Rapier zeigten sie sich schier begeistert. Alles in allem hatte man vom Fahrverhalten und der Motorleistung her den Eindruck in einem viel größeren Wagen zu sitzen als der Rapier es war.

Unser abgebildetes Modell aus dem Meller Automuseum hat übrigens ein bewegtes Leben hinter sich. Das Chassis fungierte zuerst als Ausstellungsmodell von Lagonda, wurde 1936 zum Ausstellungschassis der Firma Rapier und erhielt 1939 von einem Flugzeugingenieur, der früher bei Bristol tätig war, einen handgearbeiteten Alu-Aufbau in der Karosseriefirma Kingston Garage, um endlich als vollwertiges Auto sein Leben zu beginnen.

Daß bei diesem Fahrzeug ein Flugzeugbauer die Hände mit im Spiel hatte, zeigte sich neben der Wahl des Materials auch an der Dekoration. Mit Poppnieten befestigte Aluhutzen auf der Motohaube verschönerten nämlich das elegante Exterieur des Rapier Typ 10.rapieremb

Wie unverwüstlich dieser hübsche Roadster selbst noch über 70 Jahre nach der Produktionseinstellung ist, beweisen die vielen heute noch als Alltagsautos verwendeten Fahrzeuge diesen Typs. Von den ungefähr 400 gebauten Exemplaren sind nämlich noch ganze 313 fahrbereit und viele von ihnen sogar täglich unterwegs.