Peugeot Darl’Mat

Peugeot Darl`Mat

Peugeots Serienstromlinie als Erfolgsbasis

Atemberaubend schnell und gleichzeitig aufsehenerregend bizarr sollte die neue Kreation des Pariser Peugeot Vertreters Emile Darl´Mat und seiner beiden Freunde, des Zahnarztes Georges Paulin und des Karossiers Marcel Pourtouts werden. 1936 schufen sie für Peugeot in Sochaux auf Peugeot 302 – Basis in beispielhafter Teamarbeit einen zweisitzigen Roadster, dessen futuristische Formgebung damals wohl kaum jemanden kalt ließ.
Diese sportlichen Peugeot Darl´Mat wurden als Kleinstserie in Sochaux produziert und erreichten sehr bald einen spektakulären Bekanntheitsgrad. Ihren Höhepunkt erreichten sie als drei von Ihnen, mittlerweile auf Peugeot 402 légère – Basis aufgebaut, beim 24-Stundenrennen 1937 in Le Mans ihren Konkurrenten die Zähne zeigten. Nachdem sich das riesige Teilnehmerfeld am Ende bis auf siebzehn Fahrzeuge gelichtet hatte, belegten die drei Peugeot Darl´Mat im Gesamtklassement die Plätze sieben, acht und zehn.
Ursprünglich bildete die Ausgangslage für den Darl´Mat das Fahrwerk des im Oktober 1936 herausgebrachten Peugeot 302 mit stabilem Rahmen, unabhängiger Radaufhängung und hydraulischen Stoßdämpfern. Schon ein Jahr später wählten die drei Freunde allerdings das für ihre Zwecke vorteilhaftere Chassis des 402 Légère mit Tiefbett-Kastenrahmen und breiterer Spur. Als Antriebsaggregat diente der von Darl´Mat getunte 402-Motor mit 1991 Kubikzentimeter Hubrauminhalt. Der Vierzylinder besaß im Zylinderkopf hängende Ventile, die über Stoßstangen und Kipphebel betätigt wurden. Er brachte es auf eine Leistung von 70 Pferdestärken und erreichte so bei einer Testfahrt in Le Mans ganz locker eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Stundenkilometern. Aber damit war noch nicht das letzte Wort zu diesem Thema gesprochen. Denn wenig später verwendete der sportbegeisterte Peugeot-Vertreter einen neuen Zylinderkopf aus Aluminium. Der langhubige Motor war nun höher verdichtet, hatte andere Vergaser und leistete jetzt 82 Pferdestärken bei 4500 Umdrehungen in der Minute. Für die Kraftübertragung auf die Hinterräder sorgte ab 1938 ein aufwendiges elektromagnetisches Cotal-Getriebe, das das handgeschaltete Vierganggetriebe ablöste und ungewöhnlich wie es ist über vier Rückwärtsgänge verfügte.
Die Darl´Mat mit diesen leistungsgesteigerten Motoren, wie dieser aus dem Automuseum Deventer,  brachten es auf eine für jene Zeit doch ziemlich beeindruckende Spitzengeschwindigkeit von 170 Stundenkilometern und konnten sich in Le Mans mit Bugatti und Co. durchaus messen.
Die Linienführung des recht tiefliegenden Darl´Mat war sehr außergewöhnlich und beinahe futuristisch zu nennen mit seinen organisch ineinander übergehenden Formen, den geschwungenen Linien, der stark ausgeprägten fledermausartigen Kotflügelgestaltung und den effektiv platzierten Art Deco Elementen. Eine neue, ausgesprochen aerodynamisch wirkende, Karosserielinie hatte  Peugeot mit dem 402 von 1935 und dem 302 von 1936 schon vorgegeben. Der Wasserfall-Kühlergrill mit den dahinterliegenden Scheinwerfern, die flache Dachlinie, vollverschalte Hinterräder und ein steil abfallendes Heck boten dem Wind eine nur geringe Angriffsfläche. Entstanden ist dies fortschrittliche Design, das den 402 zu einem der ersten europäischen Stromlinienwagen machte, übrigens ganz klar inspiriert vom Chrysler Airflow, anno 1935 unter erheblichem Druck. Schließlich kam Konkurrent Citroen ein Jahr zuvor mit der Revolution mit Namen Traction Avant auf den Markt. Wer damit konkurrieren wollte, ohne das gleiche bieten zu können, musste sich schon etwas besonderes einfallen lassen. Die rundlich aerodynamische Linie war da ein guter Anfang.