Mercedes Nürburg – Stuttgarter Luxus

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Fahrsicherheit und Komfort

Zeitungswerbung für den Mercedes-Benz Nürburg

Werbung auch in Printmedien

Bei dieser Vierradbremse wird die Saugwirkung in der Ansaugleitung des Motors als Bremskraft genutzt. Durch Druck auf das Bremspedal wurde ein Steuerschieber betätigt, der eine Verbindung zwischen dem Saugrohr des Vergasers und dem Bremszylinder herstellte. Dessen Kolben zog über Gestänge die Bremsen an. Kräftigeres Treten des Bremspedals brachte die normale mechanische Bremse in Aktion. Sie ließ sich übrigens durch Handräder sehr einfach nachstellen.

Eine andere Besonderheit gefiel bestimmt den Vielfahrern unter den Nürburg – Besitzern, die auf weiten Fahrten öfter mal Reifenpannen zu beklagen hatten. Speziel für das Aufpumpen der Reifen war nämlich ein vom Motor angetriebener Kompressor vorgesehen. Solche praktischen Extras, wozu auch die beiden massigen 20-Zoll-Ersatzräder, schwere Heckkoffer und breite, massive Trittbretter zählten, führten den Versuch, Gewicht durch die Verwendung von Leichtmetall bei der Kurbelwanne oder beim Getriebegehäuse einzusparen, irgendwie ad absurdum. Andererseits gehörten aufwendige Extras zweifellos zur Annehmlichkeit eines Repräsentationsfahrzeugs. So verfügte der Nürburg beispielsweise auch über eine verstellbare Heizung, er besaß Holzspeichenräder mit Rennverschlüssen und ein Hupring am Lenkrad diente als Signalhorn und durch Anziehen des Rings für die Scheinwerferabblendung. Ab 1931 gab es auch einen serienmäßigen Rückspiegel.

Natürlich verbrauchte der Nürburg schon wegen des hohen Gewichts viel Brennstoff. Mit mehr als 25 Litern auf 100 Kilometern mußte der Fahrer rechnen. Der 90 Liter fassende Tank war also wirklich angebracht. 

Der Mercedes für die High Society

Der Mercedes für die High Society

Leisten konnte sich nur eine kleine und sehr reiche Klientel dieses Luxusprodukt Allein für das pure Fahrgestell mußten 1928 schon 10500 Reichsmark aufgebracht werden. Mit Aufbau vom Werk kostete er dann zwischen 13500 und 17500 Reichsmark. Wählte man gar einen Aufbau bei einem teuren Karosserieschneider, wie es damals oft üblich war, kamen manchmal weit mehr als 20000 Reichsmark zusammen. Daimler-Benz selbst bot mehrere Aufbauten an: Da gab es den Vier- oder sechssitzigen Tourenwagen, die viersitzige Limousine, die sechssitzige Pullmann-Limousine, das Cabriolet D mit vier Türen, das Cabrio C mit zwei Fenstern und das Cabrio F mit sechs Fenstern. Diese Aufbauten waren meist elegant gezeichnet und von einem erstklassigen Finish. In den 30er Jahren flossen übrigens viele amerikanische Stilelemente in die Formgebung ein. Auch Aufbauten nahmhafter Karossiers gehörten zeitweilig zum Verkaufsprogramm des Werks, wie etwa 1932/33 ein Aufbau von Gläser.

Für einen Luxuswagen verkaufte sich der Nürburg eigentlich ganz gut. Vom Nürburg 460, der bis 1933 gebaut wurde, gab es 2893 Exemplare. Den Nürburg 500, ab 1932 ließ man den Beinamen „Nürburg“ weg, baute Daimler-Benz bis 1939. Von diesem Modell verließen nur 931 die Werkshallen. Sucht man nun den Grund für das schlechtere Abschneiden des Nürburg, findet man ihn vielleicht beim ungünstigeren Preis-Leistungsverhältnis. Schließlich war der Nürburg immer teuer als der Horch mit seinem in der Herstellung kostspieligen Königswellenmotor. Selbst nachdem der Horch 8 1931 modifiziert, mit größerem Motorinhalt, 80 PS Leistung und 10fach gelagerter Kurbelwelle angeboten wurde, blieb er stets billiger als der Nürburg. Kein Wunder vielleicht, daß viele Kunden das preiswertere Luxusprodukt vorzogen.