Mercedes Nürburg – Stuttgarter Luxus

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Härtetest als Namensgeber für den Nürburg

Seine Lieblingskinder waren die Mercedes-Benz Tourenwagen „Stuttgart“, „Mannheim“ und „Nürburg“ sicher nicht. So zeigte sich Daimler-Benz Chefkonstrukteur Ferdinand Porsche auch wenig erfreut als er ein konkurrenzfähiges Modell zum erfolgreichen Horch Achtzylinder,

Der Horch 8 war der stärkste Konkurent des Nürburg

Der Horch 8 war der stärkste Konkurent des Nürburg

dem luxuriösen Repräsentationsfahrzeug der Marke aus Zwickau, bauen sollte. Porsches unverholene Leidenschaft galt ja bekanntermaßen den leistungsstarken Sportwagen. Doch 1928 setzte er dem Horch 8 den seitengesteuerten Mercedes-Benz 460 Nürburg entgegen, ein sehr kultiviertes und hervorragend ausgestattetes Fahrzeug der Luxusklasse, das neben den Kompressortypen für drei Jahre das Spitzenmodell von Daimler-Benz werden sollte. Bei der Konstruktion stützte er sich auf dasselbe technische Konzept wie schon bei den beiden eher als Gebrauchswagen konzipierten Typen Stuttgart und Mannheim. Der 4,6 Liter Achtzylinder-Motor des Nürburg 460 war eigentlich auch keine Neukonstruktion, sondern entstand vielmehr nach dem Baukastenprinzip und war eine um zwei Zylinder erweiterte Mannheim 350 Maschine. Ein konkurrenzfähiges Modell zu schaffen, bedeutete in diesem Fall für die Firmenleitung nämlich auch,- und das war für Porsche die Crux an der Sache-, etwas Überzeugendes im Hinblick auf  Entwicklungs-, und Produktionskosten zu finden.

Werbung für den Mercedes-Benz Nürburg

Werbung für den Mercedes-Benz Nürburg

Unter starkem Zeitdruck fand Chefkonstrukteur Porsche eine plausible Antwort auf das Topmodell von Horch und schon bei seinem Erscheinen 1928 sorgte der Nürburg auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin für großes Aufsehen. Solch revolutionäre Innovationen wie bei Porsches Sportwagen-Projekten waren beim als Repräsentationsfahrzeug gedachten Nürburg allerdings nicht zu erwarten, stattdessen zeigte er eine konservative und diskrete Linie. Trotzdem mußte auch er einen sportlichen Härtetest bestehen. Durchgehaltene 20000 Kilometer auf dem Nürburgring in zwölf Fahrtagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 64 km/h und Höchstgeschwindigkeiten um 110 km/h bewiesen die Standfestigkeit des neuen Modells. Diese Aktion brachte dem 18/80 PS Mercedes 460 übrigens auch seinen Beinamen „Nürburg“ ein.

Wie die Typen „Stuttgart“ und „Mannheim“ gehörte er zu den letzten klassischen Mercedes Modellen mit U-Profil Preßstahlrahmen, Starrachsen und Halbelliptikfederung. Die Hinterachse war in Underslung-Halbfedern aufgehängt, die starre Vorderachse als Faustachse ausgebildet. 

Mit zwei Radständen (367cm und 343 cm ) offerierte Daimler-Benz den Nürburg übrigens schon 1928. Das kurze Fahrgestell besitzt auch unser abgebildetes rotes Nürburg-Cabriolet C von 1928. Für den 460 K, der für Cabrioletaufbauten gedacht war, bot Daimler-Benz keine werkseigenen Aufbauten an. Kunden, die Cabrios wollten, hatten meist sehr spezielle Vorstellungen, und suchten oft völlige Exklusivität, also ein Unikat.

Für solch individuelle Wünsche waren schließlich die vielen Karosseriebetriebe da.

Der Rahmen des Nürburg wurde übrigens 1929 modifiziert. Zu diesem Zeitpunkt gingen viele Automobilhersteller auf die Niederrahmen-Bauweise über, so auch Daimler-Benz und Horch. Die Fahrzeuge wirkten nun durch die tiefere Linie viel eleganter. Dem Nürburg 460 mit seiner Spurweite von 149cm kam dies sehr zugute und milderte seine sonst doch etwas wuchtige Erscheinung ab. Auch am Design der Werkskarosserien ließ Porsche-Nachfolger Hans Nibel einiges verändern, was zu einer eleganteren Note führte. Notwendig waren diese Veränderungen allemal, da Konkurrent Horch mit in der Formgebung sehr ansprechenden Versionen aufwartete.

Ferdinand Porsche war 1929 übrigens nicht mehr mit von der Partie. Als sein Fünfjahresvertrag im Jahr zuvor auslief, trennten sich Daimler-Benz und er wegen etlicher Unstimmigkeiten einhellig voneinander. Aber nun zurück zum Nürburg.