Geo Ham: Kunst und Automobile

Geoham10

Geo Hams Paradedisziplin – Die Welt der Rennen

Ein Plakat, das Geo Ham für den Monaco Grand Prix `33 malte, besticht durch seine künstlerische Vermittlung der Dynamik und der aufregenden Atmosphäre dieses Rennens. Es zeigt uns aus der Perspektive eines Fahrers, und das ist schon eine Besonderheit, die Strecke aus dem berühmten Tunnel heraus mit der nachfolgenden Geraden.

Le Mans

Le Mans

Wir fühlen uns wie echte Verfolger des vor uns fahrenden Bugatti, eben einfach mitgerissen von der Lebendigkeit der Darstellung. Es ist wie eine festgehaltene Sequenz aus einem Film. Man sieht sie und vor dem „inneren Auge“ spult sich der Film ab. Eine derartige Energie versprühen auch die anderen Monaco-Plakate des Künstlers. 1934 kommen wir in den Genuß eines Maserati in der Linkskurve am Casino, dicht gefolgt von einem Bugatti. Mit seinem Poster für 1936 traf er, recht ahnungsvoll ins Schwarze. Im Bildmittelpunkt  zeigt sich ein effektvoll gemalter Auto-Union-Wagen in der Haarnadelkurve am Ende des Quais.

Es sollte ein Erfolgsjahr für die Auto Union mit ihrem von Ferdinand Porsche konstruierten V16 Mittelmotor-Wagen  werden, wenn auch nicht in Monte Carlo, denn dort gewann Caracciola auf Mercedes. Zutreffend war allerdings, daß zwischen 1934 und ´37 Auto Union und Mercedes 14 Grand Prix Siege für sich verbuchen konnten. Nur einen machte ihnen Tazio Nuvolari auf Alfa Romeo streitig, nämlich den Großen Preis von Deutschland.

L'Illustration

L’Illustration

Vielleicht noch beeindruckender als die Grand Prix Plakate  waren die Arbeiten, die Geo Ham für die berühmte Pariser Zeitschrift „L`Illustration“ anfertigte. Von 1927 bis 1940 arbeitete er für dieses renomierte Blatt, also sozusagen für das französische Fenster zur Welt, zu finden in jedem Intellektuellenhaushalt und an jeder guten Bar. In dieser Zeitschrift finden sich auch seine hinreißenden Bugatti-Aquarelle von 1928.

Diese Bilder machen ziemlich deutlich inwiefern er sich von den meisten Kollegen seines Genres unterschied: er kannte nämlich sein Sujet in und auswendig. Die Dinge saßen an der richtigen Stelle, aber dennoch wirkte nichts akribisch festgehalten. Und gerade diese Mischung von Traum und Authentizität machte seine Bilder so faszinierend. Es ist, als steuerte man selbst den Bugatti T35. Der Zündmagnet samt Kabeln sitzt korrekt links im Bild, rechts daneben kommt der Öldruckmesser, dann der Drehzahlmesser mit seinen Farbfeldern und die Tankanzeige, unten im Bild kann der Pilot auf einem Zähler die gefahrenen Runden registrieren, rechts hat er den langen Schalthebel im Blick. Links vor dem Bugatti versucht gerade ein Delage einen Talbot zu überholen und ehe er sich versieht, wird der Betrachter mit hineingezogen in die aufregende Atmosphäre des Rennens.

Wen wundert es jetzt noch, zu hören, daß Ham aus Erfahrung sozusagen „bildlich“ sprach. Denn er war ein sehr sportlicher Typ, der selbst ein Le Mans Rennen 1934 mitfuhr, wenn auch nicht so sehr erfolgreich. Es gab technische Probleme und er kam mit seinem 2 Liter Derby nicht ins Ziel.