Geo Ham: Kunst und Automobile

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Geo Ham – ein begnadeter Künstler

Als Kunstobjekt wurde das Automobil nicht nur in unserer Zeit betrachtet. Wenn ich auch zugebe, daß es heute in immer stäkerem Maße geschieht. Ausserhalb des Ateliers rücken immer mehr Fotografen ihrem Objekt der Begierde mit  ebensolcher Einstellung zu Leibe und auch Museen versuchen dieser eher vernachläßigten Seite gerecht zu werden.

Zu denjenigen, die das Automobil Zeit ihres Lebens mit Stift und Pinsel begleitet haben, zählt Geo Ham alias Georges Hamel (1900 – 1972). Heute hängen die Werke dieses vor einem Vierteljahrhundert verstorbenen  Künstlers in Museen, Galerien und privaten Sammlungen. Wer etwa auf Auktionen ein Original von Geo Ham ergattern kann, nicht eben billig versteht sich, darf sich zu den Glücklichen zählen, ein echt inspirierendes Kunstwerk sein eigen zu nennen. Denn von Geo Ham gemalte Autos haben Leben, ja beinah eine Persönlichkeit und die Szenerie gewinnt eine Dynamik, die den Betrachter einfach mitreißt.

Geo Ham Tankstelle ca. 1930

Geo Ham Tankstelle ca. 1930

Seine Künstlerkarriere begann im Frankreich der 20er Jahre, also zur Blütezeit des Art Deco und reichte weit in die 50er Jahre hinein. In Frankreich galt er neben René Vincent als Topmann in Sachen Kunst und Automobil. Und auf globalem Terrain konnte er sich durchaus mit einem Gordon Crosby(GB) oder Peter Helck(USA) messen.

Geo Ham Amilcar Werbung

Geo Ham Amilcar Werbung

Wie kaum ein anderer jedenfalls besaß er das begnadete Talent, die aufregende Dynamik und sprühende Energie damaliger Autorennen auf`s Papier zu bannen.

Mit Zeichenblock und Stift bewaffnet traf man ihn auf allen bedeutenden Rallyes und Rennkursen Frankreichs an, sei es Linas-Montlhéry, Le Mans, die Monte Carlo Rally oder der Grand Prix von Monaco. Für letzteren, der in einem Rundkurs durch die Häuserschluchten von Monte Carlo führte und immer noch führt, malte er ab 1933 etliche Ankündigungs-Plakate. Reproduktionen dieser Werke sind  sicher vielen Lesern bekannt. Das Jahr `33 bedeutete übrigens eine Zäsur in der Rennsportgeschichte. Es war nämlich das erste Rennen in Europa bei dem die Startaufstellung nach Trainingszeiten und nicht mehr nach dem Los entschieden wurde. In anderer Hinsicht ereignisreich sollte es auch für Rudolf Caracciola werden. Als er in der 25. Trainingsrunde die Kurve anbremste, die zum Quai führte, blockierte eines der Vorderräder. Sein Wagen, ein Alfa, rutschte in die Sandsäcke an der Mauer und Caracciola fand sich mit einer komplizierten Oberschenkelfraktur im Krankenhaus wieder. Aber das nur nebenbei.

Auch Motorräder gehörten zum Repertoire von Geo Ham

Auch Motorräder gehörten zum Repertoire von Geo Ham

Geo Ham hat sich im Laufe seiner Künstlerkarriere verschiedener stilistischer Mittel bedient. Interessant ist allerdings, daß die Wahl der Mittel seine Aquarelle irgendwie zeitlos modern erscheinen läßt. Natürlich sind seine Motive historisch klassifizierbar, vom ästhetischen Gesichtspunkt aber treffen sie nicht nur den Geschmack einer bestimmten Zeit. Denn auch heute noch kann man sich einen Geo Ham an der Wand vorstellen, weil seine Werke eben echte „Klassiker“ sind.