Ford V8: Acht Zylinder für die Masse

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Ford V8 – Verkaufsargument Geländegängigkeit

Nun, von 1932 bis 1936, das ist das Geburtsjahr unseres Phaeton, war viel Wasser den Detroit River hinunter geflossen. Die Karosserien, des mittlerweile Modell 68 genannten Typs,  wurden rundlicher, sprich stromlinienförmiger, und die höher verdichteten Motoren leisteten inzwischen 85 PS.

1936 Ford V8 DeLuxe Phaeton

1936 Ford V8 DeLuxe Phaeton

So ein Phaeton könnte man als viersitziges Cabrio für Fortgeschrittene bezeichnen. Nichts hinderte Wind und Wetter daran sich auch in der geräumigen Fahrgastzelle heimisch zu fühlen. Das Dach diente eher als Schutzschild vor sommerlich brennender Sonne. Konnten beim Cabriolet oder Convertible Sedan bei Regen oder zu kühler Witterung Seitenscheiben hochgekurbelt werden, verzichtete man beim Phaeton ganz auf den Luxus seitlicher Wetterblocker aus Glas. Wurde es wirklich zu arg, griff man zu den einknöpfbaren Seitenteilen mit Kunststoff – Fenstern. Der Satz: “Amerikanische Autos fahren entweder schnell – oder geradeaus!” traf für den Ford zu. Sollte jemand den Mut besitzen, die ca. 140 km/h Spitze auszutesten, wäre er gut beraten sich beide Spuren einer Autobahn zu reservieren.

Dass Fahrzeuge aus dieser Zeit wandern und immer wieder eine leichtes Gegenlenken erfordern ist normal. Die extreme Instabilität des Fords am Limit hatte seine Ursache in einem konstruktiven Merkmal auf das damals wirklich mehr Wert gelegt wurde. Die Dämpfung der beiden Starrachsen übernahmen quer dahinter angeordnete Blattfederpakete. Die Achsen selbst wurden von langen Dreieckstreben angelenkt. Diese Konstruktion machte die Fahrzeuge sehr geländegängig und sorgte dafür, dass die Karosserie auch bei starker Achsverschränkung waagerecht blieb.

Zufahrt zum Highway 2 in Texas

Zufahrt zum Highway 2 in Texas

Wie? Geländegängigkeit als Argument für schlechten Geradeauslauf? In den Staaten heißt es doch: Immer geradeaus, von Alaska bis Feuerland; Highways wie mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen … Klar, gab es. Doch die USA waren, obwohl inzwischen auch zur Wirtschaftsmacht gewachsen, immer noch ein Agrarstaat mit oft recht dünner Bevölkerungsdichte. Abseits der Metropolen prägten staubige Landstraßen und Feldwege, oft mit tiefen Schlaglöchern und Spurrillen das Bild. Dort musste ein Auto einfach geländegängig sein, wenn es gekauft werden wollte. Vorne links und hinten rechts auf je einen 12 Zoll (etwa 30 cm) hohen Holzblock aufgebockt, bewies Ford seinen Kunden die Leistungsfähigkeit seiner Achsaufhängung. Auf Kopfsteinpflaster, schmalen Feldwegen und – in verkehrsberuhigten Zonen – ist der Achtzylinder in seinem Element. Überall dort wo der moderne Autofahrer unwillkürlich an den Verlust seiner Zahnfüllungen oder an den nächsten Bandscheibenvorfall denkt, zieht der offene Wagen stur geradeaus, schnell und komfortabel seine Bahn. Unebenheiten werden vom Fahrwerk abgefangen und ausgeglichen.

Der Ford V8 war es eines der leistungsfähigsten Fahrzeuge seiner Klasse. Endgeschwindigkeit: 140 km/h, Beschleunigung: 22 Sekunden von 0 – 100, synchronisiertes Getriebe, großzügig bemessener und komfortabler Innenraum. Features, die vorher nur in der Luxusklasse zu finden waren, standen nun auch weniger begüterten Zeitgenossen zur Verfügung. “I shall build a car for the masses.” sagte Henry Ford einmal am Anfang seiner Karriere. Und genau das war auch der V8 – ein Auto für die Masse …