Ford V8: Acht Zylinder für die Masse

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Ford V8 – Für Gangster und Präsidenten 

Der Ford V8 von Bonnie und Clyde

Der Ford V8 von Bonnie und Clyde

Eine ganze Armada von Polizeiwagen versucht vergeblich die graue Limousine einzuholen. Plötzlich kreischen Bremsen, gleich darauf erklingt die tödliche Melodie automatischer Waffen. Eine Straßensperre beendet die wilde Jagd – und das Leben von Bonnie Parker und Clyde Barrow. Der von über hundert Polizeigeschossen perforierte V8 sprang übrigens, nachdem die Leichen entfernt wurden, mit einem Druck auf den Anlasser wieder an.

Für Bonnie und Clyde bildeten die Ford V8 eine „Geschäftsgrundlage“.„Ich bin ausschließlich Ford gefahren, wenn ich die Möglichkeit hatte mit einem abzuhauen. Durch seine Geschwindigkeit und Störungsfreiheit stach der Ford jeden anderen Wagen aus. …“ so schrieb Barrow kurz vor seinem Tod am10. April 1934 an Henry Ford.

Auch John Dillinger fuhr gerne Ford

Auch John Dillinger fuhr gerne Ford

Auch John Dillinger, damals Staatsfeind Nummer 1, machte aus seiner Begeisterung keinen Hehl: „Sie haben ein herrliches Auto gebaut, es ist ein Vergnügen damit zu fahren!“

Doch nicht nur Outlaws fanden Gefallen an den zuverlässigen und schnellen Fahrzeugen. Selbst der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt entschied sich privat für ein Phaeton aus der Modellreihe von 1936.

Präsident Roosevelt in seinem 1936er Ford

Präsident Roosevelt in seinem 1936er Ford

Was waren das nun für Autos die in der Lage waren solche Begeisterungsstürme auszulösen, die bei Gangstern   ebenso ankamen wie bei Staatsmännern?

Seit dem schwarzen Freitag im Oktober 1929 waren sechs Millionen Menschen arbeitslos geworden – allein im Staate Michigan mit seiner Industriemetropole Detroit waren es 750000  Personen – und die, die noch einen Arbeitsplatz hatten, mussten oft Lohnkürzungen bis zu 40%  hinnehmen.

Kaffee und Doughnuts für die Arbeitslosen

Kaffee und Doughnuts für die Arbeitslosen

Die einkommensschwächeren Schichten, die den traditionellen Kundenstamm Fords ausmachten, traf die Krise am stärksten. Ein komplettes Marktsegment brach weg und die Auswirkungen bekam auch die Fordbelegschaft letztendlich zu spüren. Der am Anfang der Krise großzügig auf sieben Dollar erhöhte Mindestlohn wurde nach und nach bis auf vier Dollar gesenkt, das Personal um nahezu die Hälfte, von 101 069 auf 56 277 Mitarbeiter, reduziert.

Hinzu kam, dass General Motors Ende 1929 einen Sechszylinder – Chevy auf den Markt gebracht hatte. Mit dem OHV-Reihensechszylinder hatte GM den Trend der Zeit voll erfasst, denn wer sich ein neues Auto leisten konnte wollte auch gleich einen gewissen Prestigewert mit einkaufen. Mit einem Wort: Vier Zylinder unter der Haube waren out!