Edsel – Ain’t nothin‘ but the Blues

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Qualitätsmängel und Rezession besiegeln das Schicksal des Edsel

Die Fahrzeuge der Edsel – Reihe hatten die stärksten Motoren in jenen Tagen, waren ebenso luxuriös wie trendgerecht ausgestattet und das Frontstyling versprach einen Hauch von Individualität. Trotz allem lief der Verkauf schleppend an. Was war also schiefgegangen? Seit dem Entschluss der Ford Motor Company  einen solchen Wagen zu bauen, waren ein paar Jahre ins Land gezogen. Inzwischen erlebte die amerikanische Wirtschaft eine Rezession wie seit langem nicht mehr. Der Kauf eines großvolumigen Neuwagens stand auf der Wunschliste der Bevölkerung notgedrungen ganz unten. Bei den Händlern aller Automobilgesellschaften füllten sich schon 1957 die Lager mit unverkäuflichem Blech und das Jahr 58 sollte noch schlimmer werden. Einzig der, für amerikanische Verhältnisse, kleine und sparsame Rambler von AMC wurde noch recht gut verkauft. Dieser ,Kleinwagen“ war knapp fünf Meter lang und verfügte über einen 3,2 Liter Sechszylindermotor mit nur 122 SAE-PS.

Die von Ford als völlige Neuentwicklung propagierten Fahrzeuge erwiesen sich bei näherer Betrachtung weitestgehend als aufgepeppte Fords oder Mercuries. Nun gut, diese Art der Modellpflege war damals in den Staaten gebräuchlich. Etwas mehr Heckflosse und Chrom hier, ein Olds Fahrgestell für den neuen Pontiac da, alles in Allem kein Grund sich aufzuregen. Es war halt business as usual.

Den wirklichen Niedergang der Edsel bewirkten massive Qualitätsmängel. Die Wagen der unteren Preisklasse, Pacer und Ranger, wurden bei Ford produziert, die der oberen, Corsair und Citation, bei Mercury. Jedes 61. Fahrzeug auf den Bändern war ein Edsel. Also keine eigenständige Produktionslinie wie früher geplant, sonder nur eine unliebsame Unterbrechung im Arbeitsrhythmus der jeweiligen Belegschaft. Andere Teile mussten herausgesucht werden, Hektik und Stress breiteten sich aus und sorgten für eine verhängnisvolle Nachlässigkeit bei den neuen Produkten. Ausgelieferte Fahrzeuge mussten zurückgerufen werden, Kunden- und Händlerbeschwerden häuften sich. So etwas konnte einfach nicht geheim gehalten und unter den Teppich gekehrt werden.

Jetzt erst wurden Stimmen laut, die sich über das erst hoch gelobte Design mokierten. Der Kühler wurde, zugegebenermaßen treffend, mit einem Pferdegeschirr verglichen. Weniger zartfühlende Kritikerbezeichneten ihn als Toilettensitz und ganz phantasiebegabte Zeitgenossen nannten den Lufteinlass „vaginär“ – na ja, jedem das Seine.

Edsel von 1959

Edsel von 1959

Ford reagierte auf die Qualitätsmängel recht flott. Im Januar 1958 gründete sich die Mercury-Edsel-Lincoln Division. Das Programm wurde gestrafft, das Design entschärft und die Produktion nach Louisville in Kentucky verlagert, wo nur Edsel vom Band liefen. Der Kühler war nun mit verchromten Querstäben aufgefüllt, die Beleuchtungseinheiten vorn und hinten rutschten an ihre gewohnten Plätze, der Kreiseltachometer wich der üblichen Bandanzeige und selbst die Teletouch Schaltung konnte nicht mehr geordert werden.

Doch all das nützte nicht viel. Der Edsel hatte seinen miesen Ruf weg. Wären die Autos in der Anfangsphase wirklich so gewesen wie sie angekündigt wurden, nämlich hochwertigund zuverlässig, hätte zum Zeitpunkt der Präsentation ein wirklicher Bedarf an Automobilen der gehobenen Preis- und Leistungsklasse bestanden und hätte man den Edsel nicht Edsel getauft, wäre eine positive Bilanz durchaus möglich gewesen.

Doch so wurde der Begriff Edsel zum Synonym für Hässlichkeit und Misserfolg. Daran änderten auch die 59er Sechszylinder/147 PS Economy Version und das neue Design der 1960er Modelle mit angepasstem horizontalen Kühler nichts. Die Produktion wurde nach 110 850 hergestellten Fahrzeugen mit einem Verlustvon nahezu 350 Millionen Dollar am 19. November 1959 eingestellt.

Edsel von 1960

Edsel von 1960

Das der Misserfolg der Edsel nicht primär im Design zu suchen war, sah man bei Ford wohl auch. So kam es, dass Roy Brown mit einer neuen, nicht weniger verantwortungsvollen Aufgabe betraut wurde. George Walker schickte ihn nach Europa um den Modellen der englischen Tochtergesellschaft auf die Sprünge zuhelfen. Mit dem 1962 vorgestellte Ford Cortina schuf Brown den bis dahin erfolgreichsten Ford in der britischen Automobilgeschichte.