Edsel – Ain’t nothin‘ but the Blues

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Eine unglückliche Entscheidung

Edsel 1958

Edsel 1958

Es ist schwer, einem Automobil jenen einmaligen Charakter zu verleihen, der es unverwechselbar und unvergessen macht. Roy A. Brown gelang das mit dem Edsel vorzüglich und dennoch wurde der geplante Lückenfüller am Ende zum größten Fiasko in der Geschichte des Fahrzeugbaus. Die Bilanz des Jahres 1954 sollte für die Ford Motor Company eigentlich ein Grund zur Freude gewesen sein. Man hatte sich einen Marktanteil von 30,86 Prozent gesichert, Chrysler überholt und Chevrolets Corvette mit dem Thunderbird elegant Paroli geboten. Doch reine Verkaufszahlen sagen noch nicht viel über die Gewinnsituation eines Unternehmens aus. Das soll nicht heißen, dass es Ford schlecht ging. Im Gegenteil, dem Konzern ging es besser als je zuvor. Aber – eine richtige Mark, oder besser gesagt ein echter Dollar, ließen sich halt nur in Ober- und gehobener Mittelklasse machen.

Für diesen Bereich war bei Ford die Mercury – Lincoln Division unter der Leitung von Benson Ford zuständig, doch gerade diese Fahrzeuge verkauften sich nicht so besonders. Gerade mal 13 Prozent der rollenden, chromblitzenden Luxusliner auf Amerikas Strassen kamen aus der Detroiter Traditionsschmiede. Die General Motors Konkurrenz war im Luxuswagensektor einfach überlegen. Buick, Pontiac, Oldsmobile und Cadillac deckten den Bedarf gut ab. Selbst Chrysler bot mit Dodge, De Soto und Chrysler ein durchgängiges Programm in allen Klassen. Vom jungen Aufsteiger bis zum Multimillionär, für jeden mit etwas praller gefülltem Geldbeutel war etwas dabei.

Nun gut, dem jungen Aufsteiger konnte mit einem Mercury geholfen werden, wenn er denn einen wollte. Für jene, die sich einiges mehr an Luxus gönnen wollten stand ein prestigeträchtiger Lincoln bereit. Wer allerdings etwas dazwischen suchte, musste sich den Mitbewerbern am Markt zuwenden.  Zwischen dem teuersten Mercury ( $ 2400 ) und dem preiswertesten Lincoln ( $ 3100 ) klaffte damals eine Preislücke von 700 Dollar. Eben diese Lücke bedeutete einen bisher verloren gegangenen Marktanteil und schlimmer noch, in den meisten Fällen einen dauerhaften Verlust dieses potenten Kundenkreises an die Konkurrenten. Die Kluft durch eine Modellerweiterung nach oben oder unten zu überbrücken wäre durchaus möglich gewesen. Doch Lewis D.  Crusoe, nach Henry Ford II und Ernest Breech der dritte Mann in der Unternehmenshierarchie, wollte eine neue Division mit eigenständiger Produktlinie und komplettem Händlernetz. Keine schlechte Idee, denn eine neue Automarke konnte in diesem Marktsegment viel gezielter und werbewirksamer eingesetzt werden als nur ein neues Modell altbekannter Marken.  Ganz konkret hieß das: Der potentielle Kunde konnte seiner Umwelt durch den Kauf der neuen Marke demonstrieren, dass er finanziell nicht mehr zur Klasse der Mercury Fahrer gehörte. Andererseits konnte so das High-End Image von Lincoln gewahrt werden.

Edsel von1958 Werbung

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Crusoe rief eine Arbeitsgruppe ins Leben, welche die Aufgabe hatte, seine Pläne zu konkretisieren. Zum Leiter dieses Teams wurde Francis C. Reith ernannt.  Reith hatte sich gerade in Europa seine Sporen verdient. Ihm war es dort nicht nur gelungen Ford of France aus den roten Zahlen zu manövrieren, er verkaufte im Anschluss die Konzerntochter auch noch an Simca. Durch diesen Deal war Ford nun zu 15,2 Prozent an der französischen Automarke beteiligt.

Am 15. April 1955 überzeugte Reith den Ford – Aufsichtsrat von der neuen Idee und schon im Sommer 1955 wurde Richard E. Krafve, bisher stellvertretender Direktor bei Lincoln – Mercury, zum Leiter der neuen Firma ernannt. Sein Stab bestand aus Gayle Warnock, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war, J. Emmet Judge, dem Leiter der Produktplanung und Verkaufsförderung; J.C. Doyle war für Verkauf und Werbung verantwortlich und R.L. Collins für die Produktion. Chefdesigner wurde Roy A.  Brown.