Corvette – Made in USA

corv4

Kraft und Komfort

1955 Corvette V8

1955 Corvette V8

Doch Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Zora Arkus-Duntov, später der Vater der Corvette genannt,  implantierte dem GM-Sportler schon 1955, parallel zum Sechszylinder, den neuen Chevrolet V8, spendierte einigen Modellen ein manuelles Dreiganggetriebe als Alternative zum zweistufigen Powerglide Drehmomentwandler und brachte auch dem Fahrwerk anständige Manieren bei. Gleichzeitig bekam Harley Earl die Aufgabe, ein neues Design für die 1956er Generation zu entwerfen. Die ursprünglichen Reminiszenzen an die englische Roadstertradition – wie Steckscheiben, Behelfsdach und fehlende Türgriffe – sollten endgültig der Vergangenheit angehören.

Die neue Linie unterschied sich gewaltig von der ersten Serie. Obwohl die neue Corvette ganze sieben Zentimeter höher war, wirkte sie doch flacher und eleganter. Die einstmals zurückversetzten und mit einem Drahtgeflecht abgedeckten Scheinwerfer bildeten nun den Abschluss der vorderen Kotflügel. Eine farblich abgesetzte und von Chromzierleisten gerahmte Einbuchtung dominierte die Seitenansicht.

1956 Corvette

1956 Corvette

Das Heck fiel nun, von einem eleganten Hüftschwung eingeleitet, sanft ab und vollendete den eleganten und kraftgespannten Eindruck. Türgriffe, Kurbelfenster und ein vollversenkbares Faltdach gehörten nun ebenso zur Serienausstattung wie das farblich auf die Lackierung abgestimmte Interieur.

Sollte es dann doch etwas mehr Komfort sein: Im Zubehörkatalog fanden sich, vom elektrisch bedienbaren Faltdach bis hin zum eleganten Hardtop, viele Ausstattungsgimmicks, mit denen der verwöhnte Kunde die Ausstattung des kleinen Sportlers seinen Wünschen anpassen konnte

1956 Corvette

1956 Corvette

Auch unter der nun mit zwei leichte Ausbuchtungen versehenen Motorhaube der Corvette hatte sich einiges getan. 1957 war der Hubraum auf etwas mehr als 4,6 Liter angewachsen. Die zentrale Nockenwelle trieb die im Kopf hängenden Ventile über Stoßstangen und Kipphebel an. Der mit 9,5 :1 recht hoch verdichtete „Turbo – Fire“  Motor leistete satte 220 PS die schon bei 4800 Umdrehungen der Kurbelwelle anlagen. Allerdings war das Fahrwerk immer noch nicht das Gelbe vom Ei. Wer den Wunsch nach noch mehr Leistung verspürte konnte die neu entwickelte Ram – Jet Einspritzanlage als Alternative zu dem serienmäßigen Vierfach – Fallstromvergaser von Carter ordern. Damit standen dem leistungsgierigen Korvettenkapitän 283 Pferdestärken zur Verfügung. Zudem standen jetzt drei unterschiedliche Getriebe zur Auswahl. Chevrolet – Kunden konnten zwischen dem komfortablen aber leistungsschluckenden zweistufigen Powerglide – Automaten, einem manuellen Dreiganggetriebe und dem neu entwickelten Borg – Warner Vierganggetriebe wählen.

Obwohl Arkus-Duntov die übelsten Macken ausgemerzt hatte besaß die Corvette immer noch eine tradionell amerikanische – sprich weiche – Radaufhängung.

1957 Corvette

1957 Corvette

Während hinten eine, von Teleskopstoßdämpfern unterstützte und an Halbelliptik – Blattfedern befestigte, Starrachse ihren Dienst versah, waren die Räder vorne einzeln aufgehängt. Trapez-Dreiecksquerlenker und Schraubenfedern versuchten hier im Verbund mit Kurvenstabilisatoren und Stoßdämpfern die Räder auf der Straße zu halten. Das Leistungsgewicht hätte eigentlich stärkere Fahrwerksmodifikationen notwendig gemacht. Doch die Corvette – Strategen hatten ja den komfortverwöhnten amerikanischen Markt, die guten Straßenverhältnisse in den Staaten und auch die rigorosen Speedlimits im Auge. Für alle, die eine Corvette leistungsgerecht bewegen wollten, lag allerdings ein modifiziertes Fahrwerk mit besseren Bremsen, härteren Federn etc. aus dem Zubehörkatalog in den Lagern von Chevrolet bereit.

Die 1956/57 Corvetten leiteten den Siegeszug sportlichen Zweisitzers ein. Im Gegensatz

1957 Corvette mit Hardtop

1957 Corvette mit Hardtop

zur ersten Serie konnte der Absatz mehr als verdoppelt werden. 9806 Exemplare fanden innerhalb dieser kurzen Zeit und der allgemeinen Absatzflaute ihren Käufer. Und als Ford 1958 den Thunderbird nur noch als viersitzigen Wagen in den üblichen Straßenkreuzerdimensionen anbot, war die Corvette konkurrenzlos. Aber das war sie ja schon immer auf ihre Weise… .