Category Archives: Motorrad

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Benelli – Die „Sechs“ hat Tradition

Sechs Brüder waren es nämlich, die das Familienunternehmen in dem Städtchen Pesaro an der italienischen Adriaküste gründeten. Das Geld reichte anfangs natürlich nicht aus um eine eigene Motorradproduktion auf die Beine zu stellen. Daher stand erst einmal die Wartung und Reparatur von Motorrädern, Automobilen und Kanonen im Unternehmenskonzept der neuen Firma.

Doch schon bald entwickelten die Italiener einen eigenen Kleinstmotor, der an Fahrräder montiert wurde und den Radfahrern half die umliegenden steilen Bergstraßen zu bewältigen. 1920 war es dann endlich so weit: Die erste komplette Eigenkonstruktion der Motorradschmiede, ein Kleinkraftrad mit einem 98 ccm Zweitaktmotor,wurde vorgestellt.

Tonino Benelli

Tonino Benelli

In den folgenden Jahren stieg die Leistung der Benellis kontinuierlich. Schon 1927 wurde Tonino Benelli, der jüngste Spross der Familie,  auf seiner 175er Viertaktmaschine beim vierten Großen Preis der Nationen in Monza zum italienischen Meister gekürt. Nach vielen erfolgreichen Jahren zog sich die Firma von 1935 bis 1938 vorübergehen aus dem Rennsportgeschehen zurück um sich verstärkt den Serienprodukten und der Entwicklung eines neuen Rennmotors zu widmen. In dieser Zeit verließen 175, 250 und 500 Kubik Motorräder die Werkshallen an der Via Mameli. Starrahmen und Trapezvordergabel sowie die, durch eine Zahnradkaskade angetriebene, obenliegende Nockenwelle und ein Vierganggetriebe kennzeichneten die zuverlässigen Gebrauchsmotorräder.

1938 gelang Benelli ein furioses Comeback. Die neuen Werks – Racer debütierte 1938 beim „Großen Preis der Nationen“ und belegten mit Soprani, Martelli und Rosetti die ersten drei Plätze. Über die Distanz von 300 Kilometern holte Sieger Soprani einen Schnitt von über 140 km/h heraus – eine Geschwindigkeit übrigens, von der selbst der Sieger in der 350er Klasse nur träumen konnte.

Verantwortlich dafür war, natürlich neben dem kraftvollen 25 PS Motor, der aufwendig konstruierte Doppelschleifenrahmen mit seiner revolutionären Hinterradaufhängung. Eine Schwinge mit Langlöchern begrenzte die vertikalen Bewegungen des Hinterrades, in geraden Hülsen gekapselte Federn und Scherendämpfer trugen ihren Teil zur optimalen Straßenlage bei. Ted Mellors gewann im 1939 mit der neuen DOHC 250er die legendäre Tourist Trophy  in der Lightweight – Klasse.

Schon 1948 machte Werksfahrer Dario Ambrosini auf seiner Vorkriegs 250er von sich reden.

Dario Abrosini, der Weltmeister von 1950

Dario Abrosini, der Weltmeister von 1950

Er gewann vier italienische Meisterschaftsläufe und schöpfte auch beim großen Preis von Genf den Rahm ab. Diese Siegesserie setzte Ambrosini auch in folgende zwei Jahren fort, was schließlich in dazu führte, dass Benelli 1950 mit den Lorbeeren des Weltmeistertitels gekrönt wurde. Nachdem Ambrosini 1951 jedoch beim Training zum großen Preis von Albi tödlich verunglückte, beschloss Benelli sich aus dem Grand Prix Geschehen zurückzuziehen.

Erst 1959 versuchte Benelli mit einem 250 ccm Doppelnockeneinzylinder wieder in das internationale Renngeschehen einzugreifen. Doch gegen die Vierzylinder – Konkurrenz aus Fernost hatte der Single einfach keine Chance. Schon ein Jahr später läutete man auch in Pesaro das Zeitalter der Vierzylinder – Rennmaschinen ein. Danach mischten die Benellis wieder munter im Rennsportgeschehen mit, was schließlich 1969 unter dem Australier Kel Carruthers zum zweiten Weltmeistertitel in der 250er Klasse führte.

Kel  Carruthers

Kel Carruthers

Als im Sommer 1971 Benelli in den de Tomaso – Konzern eingegliedert wurde, kam auch das Ende des Engagements im Rennsport. 

Windhoff 4: Ein besonderes Motorrad

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Willkommen, Bienvenu, Welcome … !

Wir befinden uns im Berlin der zwanziger Jahre. In der Kulturmetropole und Hauptstadt der jungen Republik tanzt das Wahrzeichen der Stadt, nämlich der Bär. Im Reichstag reden sich die Abgeordneten die Köpfe heiß. In den Szenekneipen und Cafés geben sich Literaten und bildende Künstler die Klinke in die Hand.
Abends treffen sich Politiker, ausländische Diplomaten, Industrielle und Intellektuelle in den zahllosen Clubs und Cabarets. Dort fegen Entertainer wie der farbige Superstar Josephine Baker die letzten Krümel einer verstaubten Weltordnung aus den Hirnen der Zuschauer ihrer Show. Natürlich war das nur eine Seite der Medaille, denn das Berlin Brechts, Tucholskys und Kästners lag nur einige Minuten von den Domänen der Schickeria entfernt.

Dass diese Zeit der Lebenslust, Toleranz und Kreativität nur kurz währte und dann brutal im braunen Morast erstickt wurde, wissen wir heute.

Doch nicht nur bildende Künstler und Literaten waren von dieser Aufbruchsstimmung beeinflusst. Auch die Industrie war häufig dazu bereit, ausgetretene Pfade zu verlassen und unkonventionelle Problemlösungen zu forcieren.

Einer dieser Unternehmer war Hans Windhoff. Auf Kühlerbau spezialisiert, war seine Berliner Firma mit eines der gefragtesten Zulieferunternehmen der Automobilindustrie. Ab 1923 produzierte Windhoff konventionelle kleine Ladepumpenzweitakter mit Bekamo – Einbaumotoren. 1927 jedoch stellte er ein Motorrad vor, das völlig von den üblichen Konstruktionen abwich.