Benelli 750 Sei

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Sixpack – Die Benelli 750 Sei

Als Benelli im Herbst 1972 die Sei vorstellte war die Sensation perfekt. Niemand hatte damit gerechnet, dass die finanziell am Boden liegende Motorradschmiede aus Pesaro diesen Mut zur Innovation aufbringen würde.

Anfang der siebziger Jahre stand die gesamte italienische Motorradindustrie vor dem Ruin. Schuld daran waren die beginnende europaweite wirtschaftliche Rezession und politische Instabilität Italiens in dieser Zeit. Schon Ende der sechziger Jahre musste der italienische Staat Benelli finanziell unter die Arme greifen um den bevorstehenden Konkurs und den Verlust von Arbeitsplätzen abzuwenden. Daran änderten auch die sportlichen Erfolge der Traditionsmarke nichts. Weder die 1969 gewonnene Weltmeisterschaft in der 250er Klasse, noch der hervorragende – von Renzo Pasolini herausgefahrene – zweite Platz in der 350 ccm Klasse änderten etwas an den sinkenden Absatzzahlen.

Als 1971 Alessandro de Tomaso die Firma übernahm, keimte Hoffnung auf. Das enfant terrible der italienischen Wirtschaft  war bekannt für seine Kreativität und Schaffenskraft. Allerdings stießen seine unkonventionellen Führungsmethoden nicht immer auf die Zustimmung der Belegschaft… .

Der Italo – Argentinier wusste, wenn die italienische Motorradindustrie gegen die übermächtigen und preisgünstigen japanischen Motorradbauer bestehen wollte, mussten zwei Bedingungen erfüllt werden. Als erstes musste die internationale Fachwelt von der Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der italienischen Zweiradmanufakturen überzeugt werden. Zum Zweiten war es dringend erforderlich, ein Verbundsystem zu schaffen, das preiswerte und rationelle Fertigungsmethoden ermöglichte.

So beauftragte de Tomaso im Herbst 1971 seinen Chefkonstrukteur Pier Paolo Prampolini damit, in möglichst kurzer Zeit einen fahrbereiten Sechszylinder zu entwerfen. Die Zeit war wirklich knapp bemessen, denn der neue Chef wollte die Sensation schon im nächsten Herbst vorstellen.

Benelli 750 Sei

Benelli 750 Sei

Im Oktober 1972 war es dann soweit. Die Benelli 750 Sei stand im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das Design war spektakulär und aufregend neu. Auch technisch hatte der Sechszylinder einige Neuheiten zu bieten. Farbgebung und Styling ließen den Neuling schlanker erscheinen als er eigentlich war und konzentrierten den Blick des Betrachters auf den Motor. Der Tank war im vorderen Part etwas hochgezogen und schwarz lackiert, farblich abgesetzte Zierstreifen verstärkten den gewonnenen Eindruck eines extrem zierlichen und unterdimensionierten Benzinreservoirs. Doch das Auge wurde getäuscht, denn der Tank fasste reichliche 23 Liter. Zwei Scheibenbremsen vorn und eine Trommel hinten waren zu dieser Zeit an keinem anderen Motorrad vorhanden. Die hochgezogene Sechsport –   Auspuffanlage fügte sich harmonisch in das Gesamtbild ein und erinnerte an die bewegte Rennvergangenheit des Hauses Benelli.