Adler 2,5 Liter: Der Autobahnwagen

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Mit Einzelradaufhängung und Pendelachse

Die beiden Kastenlängsträger des Rahmens waren der Karosserieform entsprechend, leicht oval gebogen und mit den Quertraversen und dem Bodenblech verschweißt. Man hatte sie nicht unter dem Wagenboden durch-, sondern um ihn herumgeführt. An diesen Plattformrahmen befestigte man auch die Stahlrohrgestelle für die Sitzbänke.

Die vordere Einzelradaufhängung, die breite Spur und die hintere Pendelachse mit am Rahmenende abgestützten Schubstreben führten zu ausgezeichneten Fahreigenschaften und guter Bodenhaftung. Damit war dieser Adler mit Hinterradantrieb nicht etwa nur für die Autobahn, sondern auch ganz besonders für kurvige Strecken prädestiniert. Selbst in leichtem Gelände machte er mit seinen 21 cm Bodenfreiheit eine passable Figur. Pluspunkte heimste beim Fahrer wegen ihres leichten und direkten Ansprechens auch die Schneckenradlenkung von ZF-Roß ein. Etwas mehr konzentrieren mußte er sich allerdings beim Bremsen, denn die hydraulischen Ate-Innenbackenbremsen packten meist etwas spät zu.

Neben der interessanten Karosserie war auch der eigens für dieses Auto konzipierte Reihensechszylinder mit Leichtmetallzylinderkopf und Leichtmetall-Kolben nicht zu verachten. Er galt zwar keineswegs als eine so moderne Konstruktion wie das Kleid des Adlers, trug allerdings viel zur Wirtschaftlichkeit bei. Nicht eben up-to-date war nur seine seitliche Ventilanordnung.

Er verfügte über einen Hubraum von 2494 ccm, war 1:6,25 verdichtet und leistete 58 PS bei 3800 U/min. Seine Beschleunigungswerte konnten sich ebenso sehen lassen wie seine Verbrauchswerte. Von 20 auf 70 km/h brauchte er nur neun Sekunden und im lang übersetzten vierten Gang von 30 auf 70 km/h 14 Sekunden.

Damit war er für einen Wagen seiner Größe in Deutschland unübertroffen. Zum sparsamen Verbrauch von nur 12 Litern Kraftstoff auf 100 km/h trug neben der Stromlinie auch der Einsatz von zwei Solex-Vergasern in Registeranordnung bei. Der zweite Vergaser wurde immer erst bei Bedarf, ungefähr im letzten Drittel des Gaspedalwegs, über ein Gestänge zugeschaltet.

Probleme hatte der Adler eigentlich nur mit der Kühlung, da der Motor eng zwischen hohen Seitenwände mit nur wenig Luftschlitzen arbeitete. Stadtverkehr dürfte also nicht sein Fall gewesen sein.

Angeboten wurde der Adler Typ 10  als Limousine mit Ganzstahlkarosserie von Ambi-Budd für 5750 RM. Außerdem gab es ein hübsches Sportcabriolet und ein Cabriolet mit Aufbauten von Karmann für 6100 und 5950 RM. Eine in sehr geringen Stückzahlen produzierte Sportlimousine, heute würde man Coupé sagen, mit leistungsfähigerem Motor und viel höherem Preis vervollständigte das Angebot. Insgesamt kamen vom damals modernsten, deutschen Serienwagen nur etwa 5290 Exemplare auf den Markt. Schließlich entstand der Adler in einer Zeit, in der es wohl kaum eine Zukunft für so ein Automobil gab. Wer konnte diesen Mittelklassewagen denn schon kaufen? Letztendlich wurden die meisten 2,5 Liter Adler wegen ihrer Geländegängigkeit im Krieg verschlissen. Heute existiert nur noch eine Handvoll fahrbereiter Exemplare. Nach dem Krieg verhinderte die Firmenpolitik bei Adler eine Wiederaufnahme der Automobilproduktion und konzentrierte sich auf Motorräder sowie andere Produkte.

Damit war das Schicksal der deutschen Automarke, die viele innovative Einfälle für die Serienproduktion nutzbar machte, besiegelt.